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Adolf Loos
Architekt, 1870 - 1933

Adolf Loos
Architekt, 1870 - 1933


Zentralfriedhof, Gruppe 0, Nr. 105
Grabmal: Adolf Loos

Eines der bekanntesten Werke von Adolf Loos ist das nach ihm benannte "Loos-Haus"

Die erste Ehe von Loos

Es war Liebe auf den ersten Blick.

Fünf Minuten nachdem der 32-jährige Architekt Adolf Loos im Jahre 1902 die bildshübsche Schauspielerin Lina Obertimpfler im Literatencafe Löwenbräu zum ersten Mal gesehen hatte, fragte er sie, ob sie seine Frau werden wollte.

Die zwanzigjährige Schauspielerin sagte ja, und eine Tragödie nahm ihren Lauf.

Lina knüpfte bald nach der Hochzeit zarte Bande mit dem Studenten Heinz Lang, worauf ihre Ehe in Brüche ging.

Die Wiener Gesellschaft hatte ihren Skandal, zumal sich schnell herumsprach, dass Linas Treffen mit dem Liebhaber ausgerechnet in ihrem von Adolf Loos extravagant gestalteten Schlafzimmer stattfanden.

Adolf Loos  

Und dann das schreckliche Ende: Als der Student erkennt, dass Lina nicht bereit ist, mit ihm nach England zu gehen, wie er sich das erträumt hat, nimmt er sich das Leben.

Seine Mutter Marie Lang, Gründerin und Organisatorin der ersten Frauenberatungsstellen, war eine gute Freundin von Rosa Mayreder. Den tragischen Selbstmord von Heinz verarbeitete später Arthur Schnitzler in seinem Drama "Das Wort".

Lina Loos wird nach der Katastrophe in Wien geächtet und geht nach Amerika, um dort ein neues Leben zu beginnen. Sie kehrt noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zurück, ist am Raimund- und am Volkstheater engagiert, wird aber nur in kleinen Rollen eingesetzt.

Sie stirbt im Juni 1950 im Alter von 67 Jahren in Wien, ohne je wieder geheiratet zu haben. Loos heiratete weitere 2 Male.

 
Lina Loos
Historische Aufnahme vom Grabmal. Der Entwurf stammt von Adolf Loos selbst, ebenso wie das Holzkreuz an der Grabstätte von Peter Altenberg, der nur einige Meter weiter seine letzte Ruhe gefunden hat.

Der Senftiegel ohne Senf

Adolf Loos und seine junge Frau Lina mieteten im Jahre 1902 eine Wohnung im fünften Stock des Hauses Bösendorferstraße 3 (die damals noch Giselastraße hieß). Und der renommierte Architekt begann sie sofort nach seinem persönlichen Geschmack einzurichten, das Wohn- und Kaminzimmer wurde mit dunklem Holz getäfelt und weiß gekalkt, die großen Betten im Schlafzimmer mit weißen Fellen überzogen. Loos kümmerte sich persönlich um Möbel, Stoffe, Vorhänge und war zufrieden, weil er sich als Architekt endlich austoben konnte, ohne von einem Bauherrn eingebremst zu werden. "Wenn man eine Loos-Wohnung betrat, befand man sich plötzlich in einer anderen Welt, jedoch in keiner Wohnung spürte man dies so stark wie in seiner eigenen", erinnerte sich seine zweite Frau Elsie.

Doch die Einrichtung hatte das letzte Geld des 32-jährigen Architekten verschlungen, er und Lina lebten zeitweise von der Hand in den Mund. Eines Tages waren nur noch zwei Kronen da, seine Frau weinte aus Verzweiflung, aber Loos lachte nur, steckte die zwei Kronen ein, ging aus und versprach, etwas zum Essen mitzubringen. Er schlenderte durch die Stadt, ehe er vor der Auslage des Juweliers Förster & Söhne anlangte. Da entdeckte er einen Gegenstand, in den er sich sofort unsterblich verliebte. Ein Senftiegel aus Holz in einem kleinen Silbergestell, made in England. Loos betrat das Geschäft und fragte, wie viel der Tiegel kostete. "Für Sie, Herr Loos, zwei Kronen." Adolf Loos legte sein letztes Geld auf den Tisch und steckte den Senftiegel ein. Zu Hause angekommen, bekam Lina einen Wutanfall. Was sollte sie mit einem Senftiegel anfangen, wenn sie keinen Senf, geschweige denn ein Paar Wurstel im Haus hatte? "Du bist ein Verschwender, ein Verrückter", musste er sich sagen lassen. Loos verteidigte sich: "Zwei Kronen kann ich immer finden, aber wo finde ich je wieder einen so bezaubernden Senftiegel?"

"Es ist wirklich sehr schwer, mit einem Genie verheiratet zu sein", kommentierte seine zweite Frau Elsie diese kleine Episode in ihren Erinnerungen. "Man weiß nie, was im nächsten Moment geschehen wird, es gibt keine sichere Grundlage, auf der man das Leben aufbauen kann. Es gehören sehr gute Nerven und vor allem ein unerschütterlicher Wille dazu, eine solche Ehe aufrecht zu halten."

Dies ist keiner seiner Frauen gelungen. Die Ehe Nummer eins mit Lina Obertimpfler hielt drei Jahre, die zweite mit Elsie Altmann sieben, die dritte mit Claire Beck wieder drei Jahre. Der Nachweis, ob er mit der Tänzerin Bessie Bruce je verheiratet war, konnte nicht erbracht werden.

Loos behielt die Wohnung in der Bösendorferstraße bis zu seinem Tod im Jahre 1933. Sein Wohn- und Kaminzimmer wurde später im Wien Museum am Karlsplatz aufgebaut.

(Quelle: Markus)

 

 

   

Quelle: Georg Markus, Adressen mit Geschichte