Adolf Loos und seine junge Frau Lina mieteten im Jahre 1902 eine Wohnung im fünften Stock des Hauses Bösendorferstraße 3 (die damals noch Giselastraße hieß). Und der renommierte Architekt begann sie sofort nach seinem persönlichen Geschmack einzurichten, das Wohn- und Kaminzimmer wurde mit dunklem Holz getäfelt und weiß gekalkt, die großen Betten im Schlafzimmer mit weißen Fellen überzogen. Loos kümmerte sich persönlich um Möbel, Stoffe, Vorhänge und war zufrieden, weil er sich als Architekt endlich austoben konnte, ohne von einem Bauherrn eingebremst zu werden. "Wenn man eine Loos-Wohnung betrat, befand man sich plötzlich in einer anderen Welt, jedoch in keiner Wohnung spürte man dies so stark wie in seiner eigenen", erinnerte sich seine zweite Frau Elsie.
Doch die Einrichtung hatte das letzte Geld des 32-jährigen Architekten verschlungen, er und Lina lebten zeitweise von der Hand in den Mund. Eines Tages waren nur noch zwei Kronen da, seine Frau weinte aus Verzweiflung, aber Loos lachte nur, steckte die zwei Kronen ein, ging aus und versprach, etwas zum Essen mitzubringen. Er schlenderte durch die Stadt, ehe er vor der Auslage des Juweliers Förster & Söhne anlangte. Da entdeckte er einen Gegenstand, in den er sich sofort unsterblich verliebte. Ein Senftiegel aus Holz in einem kleinen Silbergestell, made in England. Loos betrat das Geschäft und fragte, wie viel der Tiegel kostete. "Für Sie, Herr Loos, zwei Kronen." Adolf Loos legte sein letztes Geld auf den Tisch und steckte den Senftiegel ein. Zu Hause angekommen, bekam Lina einen Wutanfall. Was sollte sie mit einem Senftiegel anfangen, wenn sie keinen Senf, geschweige denn ein Paar Wurstel im Haus hatte? "Du bist ein Verschwender, ein Verrückter", musste er sich sagen lassen. Loos verteidigte sich: "Zwei Kronen kann ich immer finden, aber wo finde ich je wieder einen so bezaubernden Senftiegel?"
"Es ist wirklich sehr schwer, mit einem Genie verheiratet zu sein", kommentierte seine zweite Frau Elsie diese kleine Episode in ihren Erinnerungen. "Man weiß nie, was im nächsten Moment geschehen wird, es gibt keine sichere Grundlage, auf der man das Leben aufbauen kann. Es gehören sehr gute Nerven und vor allem ein unerschütterlicher Wille dazu, eine solche Ehe aufrecht zu halten."
Dies ist keiner seiner Frauen gelungen. Die Ehe Nummer eins mit Lina Obertimpfler hielt drei Jahre, die zweite mit Elsie Altmann sieben, die dritte mit Claire Beck wieder drei Jahre. Der Nachweis, ob er mit der Tänzerin Bessie Bruce je verheiratet war, konnte nicht erbracht werden.
Loos behielt die Wohnung in der Bösendorferstraße bis zu seinem Tod im Jahre 1933. Sein Wohn- und Kaminzimmer wurde später im Wien Museum am Karlsplatz aufgebaut.
(Quelle: Markus) |