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Richard Schmitz
Bürgermeister, 1885 - 1954 |
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| Richard
Schmitz
Bürgermeister, 1885 - 1954
Zentralfriedhof, Gruppe 35 G, Nr. 1
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Inschrift: Vizekanzler Richard
Schmitz, 1885 - 1954 |
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Der City-Chef im Ständestaat
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Richard Schmitz war christlichsozialer Politiker der
Zwischenkriegszeit.
In den Jahren vor 1938 war er somit
das Feindbild der österreichischen
Sozialdemokraten und nach 1938 der Feind der österreichischen
Nationalsozialisten – als solcher verbrachte er die gesamten
sieben Kriegsjahre in Haft. Geboren 1885 in Mähren engagierte sich Richard Schmitz
schon in der Schule und gründete die erste Mittelschüler-Kartellverbindung „Herulia“.
Er kam nach Wien, studierte er Rechtswissenschaften und
arbeitete als Journalist für verschiedene katholische
Zeitungen und Zeitschriften. |
Richard Schmitz |
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Gründung 'Das Kleine Volksblatt'
'Das Kleine Volksblatt' war das populärste "schwarze"
Medium der damaligen Zeit, die Gründung geht auf Richard
Schmitz zurück.
Er organisierte Katholikentage, trat dort als gefeierter
Redner auf und begann 1920 seine politische Laufbahn als
Nationalratsabgeordneter. |
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Der damaligen christlichsozialen Politik
entsprechend war auch Schmitz Antisemit. Schon 1919 hatte
sich die Judenfeindlichkeit zu wandeln begonnen.
War Bürgermeister Dr. Karl Lueger
gegen die Juden nur als Religionsgemeinschaft, so begann
man nun, die Juden als eigenes Volk zu betrachten - und zu
diskriminieren. "Die Juden geben sich als Deutsche aus",
empörten sich katholische Publizisten.
Daher sollten
Deutsche „nicht bei Juden einkaufen”. „Der Austritt aus
der Kultusgemeinde schließt nicht die Zugehörigkeit
zur jüdischen Nation aus”, hieß es im Kleinen
Volksblatt. |
Sozialminister, Unterrichtsminister
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1922 bekleidete Schmitz das Amt des Sozialministers,
1926 übernahm
er das Unterrichtsministerium.
Als Unterrichtsminister
beendete er den lähmenden
Schulstreit mit den Sozialdemokraten. Diese befürworteten
durch Otto Glöckel schon damals die Gesamtschule,
die Christlichsozialen waren und sind bis heute dagegen.
Immerhin einigte man sich 1927 auf die noch heute bestehende
Regelung: 4 Jahre Volksschule, 4 Jahre Hauptschule (sollte
aufs Arbeiten vorbereiten) und 8 Jahre Gymnasium (sollte
aufs Studieren vorbereiten, hieß damals noch Mittelschule).
Schmitz damals: „So lange noch ein Tropfen, Blutes in
uns glüht, werden wir uns gegen Glöckels Schule
wehren - die Religion muss in der Schule bleiben!“ |
Otto Glöckel, sein Widersacher in der Schulpolitik |
Vizekanzler, Wiener Bürgermeister
1930 wurde Richard Schmitz Vizekanzler und schließlich
in den Jahren 1934 bis 1938 der letzte Bürgermeister
Wiens vor dem Anschluss an das Deutsche Reich.
Der bisherige
Bürgermeister und sozialdemokratische Parteiführer,
Karl Seitz, war zuvor von den Christlichsozialen verhaftet
worden - das Experiment vom „Roten Wien” war zu Ende.
Aber
von den Reformen der „roten” Kommunalpolitiker Breitner,
Glöckel, Tandler profitierte auch der neue starke Mann
im Wiener Rathaus, Richard Schmitz.
Der Plan, zur Linderung
der Arbeitslosigkeit ein Großprojekt in Angriff
zu nehmen, lag schon vor: Mit Schaufel, Krampen und Scheibtruhen
bauten hunderte Männer von 1934 - 1935 eine Aussichtsstraße
durch den Wienerwald: die „Höhenstraße”.
Den
Spatenstich nahm Bundeskanzler Dollfuss vor. |
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Bürgermeister Schmitz |
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Spatenstich: Schmitz links hinter Dollfuss |
Eröffnung 1935, Rede von Schuschnigg |
Ehrenhäftling der SS
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1938 kam der „Abschluss” Österreichs an das Deutsche
Reich. Schmitz hatte die „Ehre" mit dem ersten Transport
von prominenten Österreicher ins Konzentrationslager
geschickt zu werden.
Doch während etwa die Christlichsozialen
Fritz Bock oder Leopold Figl, die Hohenbergs und der illegale
Sozialdemokrat Franz Olah härteste Haftbedingungen erleiden
mussten, bekam Schmitz als Ex-Bürgermeister eine privilegierte
Sonderstellung im KZ Dachau.
Er war ein „Ehrenhäftling“ der
SS, wie auch der Ex-Bundeskanzler Schuschnigg oder der Prinz
von Preußen.
Gegen Kriegsende wurden diese „Promis“ mit
ihren Familien völlig überraschend nach Südtirol
gebracht. Sie erwarteten dort eigentlich ihre Erschießung
durch die SS in „Torschlusspanik“. |
Schmitz 1945 |
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Doch die deutschen Bewacher
flohen - die ganze Gruppe wurde schließlich von den
Amerikanern befreit. Die gesamten sieben Kriegsjahre hatte
Schmitz in Haft verbracht.
Richard Schmitz starb 1954,
nach dem Krieg hatte er als Generaldirektor den „Herold“-Verlag
in der Wiener Strozzigasse geleitet. |
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Richard Schmitz, Bezirksvorsteher |
Sein Enkel gleichen Namens, Richard Schmitz,
diente von 1987 bis 2001 als Bezirksvorsteher der Inneren
Stadt (1. Bezirk). |
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Quelle: „Die Presse“, 11. Dez. 2010,
Die Welt bis gestern, Hans Werner Scheidl
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