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Home | Rund um Wien | Burgenland Rust

Die Freistadt Rust im Burgenland

Die Freistadt Rust liegt direkt am Neusiedlersee.

Rust wurde mit dem Weinbau reich

.

Rust ist einer der schönsten Orte des Burgenlandes. Der Name stammt von dem alten Wort für Ulme - Rüster. 

Rust hat den Status einer Freistadt.
Mit 500 Eimern Wein (ca. 30 000 Liter) und 60 000 Goldgulden haben sich die Einwohner von Rust um 1700 vom Kaiser losgekauft. 

   Weinlese

 

Die Weinberge von Rust, im Hintergrund der Schilfgürtel und der Neusiedlersee.

 

Riesiger Hauptplatz

Der Reichtum der Stadt ist auch gut an den riesigen Ausmaßen des Hauptplatzes zu erkennen. Es ist ein Dreiecks-Platz, die typische Form eines Marktplatzes im Frühmittelalter. Damals schon haben die Ruster Weinbauern auch das Recht bekommen, ein Markenzeichen auf ihre Fässer einzubrennen - ein gekröntes "R".  

Rust hat mit 1700 Einwohnern ein Stadtrecht (eigene Nummerntafeln, eigener Magistrat, man kann einen Pass lösen...).

   Marktplatz, im Hintergrund die Fischerkirche und ev. Kirche

 

Ortsbild

Die Bauernhäuser des Ortes zeigen alle Größe und Qualität. Auch innen sind sie mit Fresken und Stuckdecken ausgestattet. Einfache Bauern konnten sich diesen Luxus leisten!

An den Toren haben sie ihre Familienwappen angebracht. 

Zahlreiche Häuser von Rust stammen aus dem 16.-19. Jhd. Es gibt gepflegte Barock- oder Renaissancefassaden, schöne Fenster und Portalrahmungen, charakteristische Rundbogenportale, idyllische Innenhöfe, gedeckte Stiegenaufgänge und Arkaden. 

   barocke Winzerhäuser in der Hauptstraße
 

Rathaus, erbaut 1605 Rathauskeller mit alten Gewölben und Storchennest.
 

Reichtum ermöglichte Religionsfreiheit

Viele Weinbauern waren so reich, dass sie sich den Adel erkaufen konnten,  und in den niedrigen Adelsstand erhoben wurden (in Ungarn ging das leichter als in Österreich). Das hat man schon deshalb gemacht, damit man frei eine Religion wählen konnte. 

Daher hatte Rust einen hohen Anteil an Protestanten, weil kein Druck einer Obrigkeit (katholische Habsburger) da war. 

 Haus zum Auge Gottes am Hauptplatz

 

Reiche Patrizierhäuser

Die Häuser waren so groß gebaut, dass sie den heutigen Bedürfnissen noch entsprechen.

In den kleinen Dörfern draußen wurden die kleinen Bauernhäuser alle deswegen niedergerissen, weil die Landwirtschaft dort keinen Platz mehr hatte. Auch der Komfort war zu gering. 

Aber dies hier sind ehemalige reiche "Patrizierhäuser", obwohl die Bewohner immer nur Weinbauern waren. Nichts anderes. Das zeigt, wie groß ihr Wohlstand gewesen ist, dass man im 21. Jhd. in einem solchen Haus noch immer wunderbar wohnen kann.

   Winzerhaus, Hauptstraße

 

Fischerkirche

Die Fischerkirche ist die älteste Kirche des Burgenlandes (12. -16. Jhd.), mit bedeutenden mittelalterlichen Fresken.

Gestiftet wurde sie von der ungarischen Königin Maria, für die Errettung aus dem Schilfgürtel.

   Fischerkirche    Grundriss der ältesten Kirche Burgenlands

 

Katholische Pfarrkirche

 

Als die Fischerkirche zu klein wurde, hat man im 17. Jhd. eine neue Kirche erbaut, diesmal eine evangelische, von einem Baumeister aus Zürich. Sie ist den Evangelischen allerdings dann um 1700 abgenommen worden. Da gab es vorübergehend einen Umschwung innerhalb der Stadt und von da an blieb sie die katholische Kirche.

Kirchtürme waren Wachttürme

Man sieht im Burgenland immer wieder solche Kirchen, westlich von Wien nicht mehr. Fast alle Kirchenbauten bis etwa 1700 haben so ausgesehen: Auf halber Höhe, oder oben am Kirchturm ist eine Galerie angebracht, ein Umgang. In manchen Ortschaften sieht man Kirchen, deren Dächer zurückspringen. Dort waren auch Galerien, später hat man sie nicht mehr erneuert, oder weggegeben, oder sie waren aus Holz und sind deshalb nicht mehr erhalten.

Kreutfeuer und Glockengeläut

Diese Galerien haben keinen kunsthistorischen Inhalt, sind auch keine Marotte von irgendwelchen Architekten gewesen, sondern das hatte militärische Gründe. Etwa 200 km von Eisenstadt war die türkische Grenze. Weil die Kirchtürme alle Wachttürme waren, gab es hier das sogenannte Kreutfeuersystem, eine Alarmierung des ganzen Landes. 

   kath. Pfarrkirche, 17. Jhd. Westfassade

 

Da hat man auf bestimmten Punkten Scheiterhaufen aufgestellt, die ständig von Freiwilligen des Dorfes bewacht waren.

Wenn ein Angriff kam, musste man nicht erst durch Boten alle alarmieren, sondern man hat die Scheiterhaufen angezündet, und wer einen brennen sah, hat sofort seinen Scheiterhaufen angezündet, sodass man eigentlich innerhalb kürzester Zeit die ganze Gegend alarmiert hatte.

Und auch auf diesen Türmen sind ständig Leute herumgegangen, die die nächsten Türme im Blickwinkel hatten, oder die Hügel mit den Scheiterhaufen.
Und wenn ein Alarm war, haben die Glocken geläutet und die Menschen sind sofort ins Dorf gelaufen und haben die Tore verrammelt, denn jedes Dorf im Burgenland war eine kleine Festung (siehe Stadtmauer in Purbach).

   kath. Pfarrkirche, Chor

 

Kirchenportal katholische Pfarrkirche Galerie auf dem Turm

 

Evangelische Kirche

 

Kaiser Josef II. hatte für das ganze Reich (auch für Ungarn) verfügt, dass alle Religionen gleichgestellt seien (Toleranzpatent). Im Sinne der Aufklärung war man damals so tolerant. Auch die Protestanten durften jetzt frei ihre Kirchen bauen, und jeder der wollte, konnte dort hineingehen ohne behindert und ohne irgendwie diskriminiert zu werden. 

Aber es gab dann doch gewisse Einschränkungen beim Kirchenbau.  Die Kirchen mussten zurückstehen. Sie durften also nicht jenen markanten Punkt einnehmen wie die Katholischen. Sie durften u.a. keinen Turm haben, und sie durften auch nicht auf einem Platz stehen. Daher steht diese Kirche in einem Garten abseits des Hauptplatzes. Erbaut im klassizistischen Stil um 1800, der Turm ist neobarock und stammt aus dem späten 19. Jhd.  Die Kirche selbst ohne Turm ist eine klassizistische (100 Jahre älter).  

Sie entspricht dem Typus der Toleranzkirchen, also jener Kirchen, die von Protestanten gebaut wurden. So haben viele evangelische Gemeinden dann diese Kirchen gebaut. Im südlichen Burgenland, wo die Gemeinden sehr klein waren, gab es nur Bethäuser, in denen auch die Schule untergebracht war, denn der evangelischen Kirche war immer der Wortgottesdienst sehr wichtig, es war also gar nicht notwendig, allzu große Altäre zu bauen und predigen konnte man auch vom Katheder aus. Daher war es dort nicht ungewöhnlich eine Schule mit Glockenturm zu sehen. 

   Evangelische Kirche

 

 Evangelische Schule

Neben der evangelischen Kirche gab es die evangelische Volksschule. In Ungarn, also im Burgenland war bis zum Jahre 1938 nicht der Staat Schulerhalter, sondern die Kirchengemeinde, die einzelnen religiösen Konfessionen. Daher gab es z.B. in Eisenstadt eine katholische, eine evangelische und eine jüdische Volksschule. Dann kam mit Hitler das Reichsvolksschulgesetz, d.h. die Kirchen haben auch im Burgenland (so wie vorher schon in Österreich) die Schulhoheit verloren. Nach 1945 hat man dieses Gesetz nicht mehr geändert, es wurde dann die allgemeine Staatsvolksschule, bzw. die allgemeine Staatspflichtschule eingeführt. Die Gebäude der konfessionellen Volksschulen sind in den Orten erhalten geblieben.

 

Weinakademie

Es hat bis zum Jahr 1989 kein offizielles, repräsentatives Zentrum für den burgenländischen Wein gegeben. Seit 1980 ist die Weinakademie in diesem wunderschönen Hof untergebracht. 
Hier kann man den Wein in einem entsprechenden Rahmen präsentieren, und die besten Weine des Landes verkosten und auch kaufen. 
In Gehweite findet sich ein 4-Sterne Hotel, ein 2 Hauben Restaurant und viele Weinbauern mit alter Tradition. 

Die Weinakademie kümmert sich v.a. um die Weiterbildung des Weinfreundes, des Weinbauern, des Gastronomen und bietet Seminare und Weinerlebnistouren an. Man kann sich auch zum "Master of Wine" ausbilden lassen (wie z.B. die erste Gewinnerin von 1 Million Euro bei der Millionenshow).

   Weinakademie und Vinothek

 

Ursprünglich war es das Quartierhaus der Stadt. Durchziehende Truppen, die zur Grenze unterwegs waren, mussten von der Bevölkerung "in Quartier gelegt" werden.

Reichere Orte haben sich daher sog. Quartierhäuser geleistet, um zu verhindern, dass Soldaten, die in ihrem Benehmen nicht sehr nobel waren, in Privathäusern untergebracht werden mussten.

In diesem Gebäude, dem Seehof,  die Bürgerschule untergebracht. Damals hatte jede Stadt über die Pflichtschule (Volksschule) hinaus noch eine höhere weiterführende Schule, die sog. Bürgerschule. Heute etwa der Hauptschule entsprechend.

   Weinakademie im ehem. Quartierhaus der Soldaten

 

 Stadtmauer

Am Ostrand des Marktplatzes und auch gegenüber der Weinakademie sieht man noch einen Teil der Stadtmauer. Die Stadt lag direkt am See, somit war Rust nur an drei Seiten angreifbar. 

Erst später hat man an der Seeseite einen Weg angelegt,  immer wieder aufgeschüttet und die Straße gebaut, die heute zur Alten Schmiede führt.

   Torwächterhaus

November 2002