| Oberbaurat Hermann Helmer wurde in Harburg geboren, studierte in Nürnberg, Hannover und München und trat anschließend in das Wiener Atelier Ferdinand Fellners d. A. ein, mit dessen gleichnamigem Sohn er 1873 eine Partnerschaft einging.
Das Duo Fellner & Helmer entfaltete namentlich im Theaterbau eine äußerst fruchtbare Tätigkeit, die sich über Mittel-, Nord- und Osteuropa ausdehnte, und repräsentierte im Rahmen des Späthistorismus die Wiener Bauschule in glanzvollster Weise. Im gemeinsamen Atelier waren später auch die Söhne der beiden Architekten, Hermann Helmer d. J. und Ferdinand Fellner III., tätig. Nach dem Tode des älteren Helmer löste sich die Firma auf.
Hellmer: "Für Herrn Direktor Conried aus Amerika habe ich im letzten Monat ein Projekt für ein neues Schauspielhaus in New York entworfen. Dies Theater soll nach europäischen Vorbildern ein Mustertheater mit einem Aufwand von acht Millionen Kronen, verbunden mit einer Schauspielschule, errichtet werden. Es wäre sehr verdienstlich und erfreulich, wenn es dem Herrn Direktor Conried gelingen würde, der bekanntlich geborener Osterreicher ist, auf diese Weise österreichische Kunst und Technik nach Amerika zu tragen."
Über dieses Theaterprojekt berichtete schon Helmers Architektenkollege Alois von Wurm-Arnkreuz im Jahr 1919. Vorgesehen war ein Prachtbau, dessen Front in ihrer grundsätzlichen Gliederung an die Wiener Oper von Sicardsburg & van der Nüll erinnert, doch waren Format und Aufwand dieser gegenüber wesentlich gesteigert. Die segmentförmig gekrümmte Fassade öffnete sich zur Mitte in sieben Bogenstellungen, die seitlich von je zwei triumphbogenartig ausgestalteten, mit plastischen Gruppen bekrönten Pylonenpaaren flankiert wurden. Große Loggienöffnungen stellten die Verbindung zu den Haupttreppen her. Über dem Zuschauerraum wölbte sich eine Flachkuppel mit Laterne, und diese wurde wiederum vom hochaufragenden Bühnenhaus hinterlegt. Das Erlebnis des räumlich intensiv durchgeformten Baukörpers mit seiner überschwenglichen Dekoration, die Größe und das bemerkenswerte System mit zwei getrennten Stiegenhäusern hätten den Bau, der leider nicht verwirklicht wurde, zu einer der bedeutendsten Leistungen der späthistoristischen Theaterarchitektur gemacht. Helmer griff teilweise auf das von ihm in den 1880er Jahren entworfene Stadttheater von Odessa zurück, das aber in seiner Erscheinung noch dem Vorbild von Gottfried Sempers Dresdner Oper folgt. Damit verband Helmer jedoch Anregungen, die er von dem gleichfalls nie ausgeführten Plan Victor Alexandrowitsch Schröters (1839-1901) zum St. Petersburger Opernhaus übernahm. Dieser russische Künstler bietet als Theaterarchitekt auch sonst im einzelnen noch ungeklärte Parallelen zum CEuvre von Fellner & Helmer. Dass ausgerechnet für Osteuropa bestimmte Projekte das New Yorker Vorhaben beeinflussten, verdient jedenfalls besonders hervorgehoben zu werden.
Quelle: Stimmporträts, Serie 2, Verlag Akademie der Wissenschaften, 1999
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