Als zweifelsfrei einer der bedeutendsten und einflussreichsten Physiologen in der österreichischen Wissenschaftsgeschichte wird Sigmund Exner angesehen.
Exner absolvierte in kürzester Zeit sein Medizinstudium in Wien, das zudem noch durch ein Studienjahr in Heidelberg inhaltlich ergänzt worden war, promovierte 1870 in Wien, habilitierte sich im Folgejahr und erwarb sich innerhalb von nur drei Jahren ein so hohes Ansehen, dass ihn die medizinische Fakultät 1874 als außerordentlichen Professor berief.
Als Exner, mittlerweile durch viele Publikationen in medizinischen Fachzeitschriften auch über die Grenzen des Kaiserreiches hinaus bekannt, 1891 zum Ordinarius bestellt wurde, setzte er sich als Institutsvorstand intensiv sowohl mit der Reorganisation des Studiums als auch mit den Plänen zum Neubau des Physiologischen Instituts auseinander. So wurde der institutseigene Hörsaal gemäß den Studien Exners zur Akustik von Räumen mit einer schiefen Decke errichtet, was bei zahlreichen Bauten mit Lehr- oder Vortragsfunktion im In- und Ausland nachgeahmt wurde. Einen zentralen Platz in Exners Biographie nimmt auch die Gründung und langjährige Leitung des Phonogrammarchivs in Wien ein, die Exners Interesse an Klang- und Lautzeichen entgegenkam.
Dieses Interesse an akustischen Phänomenen bildete nur einen kleinen Teil von Exners Forschungen zur Sinnesphysiologie. Zumindest drei Bereiche verdienen gesonderter Erwähnung: Exner studierte über Jahre die Beziehungen zwischen den psychischen Erscheinungen und den Vorgängen im Zentralnervensystem, die ihn unter anderem die Reaktionszeiten des Nerven-systems berechnen ließen. Er setzte die Fachwelt mit seinen Studien zur physiologischen Optik in Staunen, da er z. B. Wesen und Funktion der Facettenaugen der Insekten erkannte.
Als drittes ist noch auf seine Versuche zur Physiologie der Vögel zu verweisen, wobei vor allem Fragen des Orientierungsvermögens, der Formen des Fliegens und der elektrischen Ladung von Haaren im Vergleich zu Federn im Vordergrund standen.
Das Tondokument kennzeichnet Exner als einen Wissenschaftler, der außerhalb jedes autobiographischen Moments und fern aller persönlichen Eitelkeit auf ein Phänomen verweist, das sich am Ende unseres Jahrhunderts nicht nur nicht geändert, sondern noch bei weitem verstärkt hat.
Quelle: Stimmporträts, Serie 2, Verlag Akademie der Wissenschaften, 1999
Exner Leben
Wilhelm Exner, Gründer des Technischen Museums und des Technologischen Gewerbemuseums, war einer der verdienstvollsten Technologen der Gründerzeit, der sich als Techniker, Wissenschafter, Pädagoge und Politiker und ausgezeichneter Organisator im Interesse des technischen Fortschritts und der gewerblichen Entwicklung auf vielen Gebieten einsetzte. Neben seiner Hochschulprofessur und seinen politischen Ämtern hatte er zahlreiche Funktionen inne: Unter anderem war er Direktor des Technologischen Gewerbemuseums, Präsident des Gewerbeförderungsamtes, Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften, Obmann des Österreichischen Normungsausschusses, Ehrenpräsident des niederösterreichischen Gewerbevereins, Ehrenmitglied des Vereins deutscher Ingenieure sowie Mitglied des Ausschusses am Deutschen Museum München.
Exner wurde als Sohn des Gänserndorfer Bahnhofvorstands geboren und wuchs in Gänserndorf auf. 1853 übersiedelte die Familie nach Wien, wo er das Polytechnische Institut absolvierte. Von 1862 bis 1868 war er zunächst als Mittelschullehrer in der böhmischen Stadt Elbogen (Loket) an der Eger tätig. Aufgrund seiner exzellenten Sprachkenntnisse wurde er zu internationalen Ausstellungen geschickt und konnte auf seinen Reisen wertvolle Kontakte und Ideen sammeln, die er später bis ins hohe Alter mit großem Einsatz umsetzte. 1869 wurde er Professor an der Forstakademie in Mariabrunn und mit deren Überleitung in die Wiener Hochschule für Bodenkultur betraut. Nach der Eingliederung erhielt er eine Professur für allgemeine mechanische Technologie und forstliches Bau- und Maschineningenieurwesen und war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1900 mehrmals Rektor der Hochschule. Schwerpunkte seines Wirkens waren vor allem die mechanische Technologie des Holzes und das technische Versuchs- und Unterrichtswesen.
1879 gründete er das Technologische Gewerbemuseum in Wien (TGM), dessen Träger der niederösterreichische Gewerbeverein war. Zur Aus- und Weiterbildung technischer Führungskräfte etablierte er hier Lehr- und Versuchsanstalten und wurde damit zum Begründer der modernen Form der berufsbildenden Schule in Österreich. Eines seiner großen Ziele, das er seit seinem Besuch der Pariser Weltausstellung 1867 verfolgte, war die Errichtung eines österreichischen technischen Museums. Im Rahmen der Vorbereitungen des 60-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs I. konnte die Gründung des "Technischen Museums für Gewerbe und Industrie" schließlich realisiert werden. 1909 legte Franz Joseph den Grundstein des Neubaus, der 1918 offiziell eröffnet wurde.
Die Umsetzung seiner Ideen war nicht zuletzt durch seine politische Tätigkeit möglich. Von 1882 bis 1897 war er Reichsratsabgeordneterfür die Deutschliberale Partei, 1905 wurde er Mitglied des Herrenhauses. Besonders verdient machte er sich um die Gewerbeförderung, die Einrichtung von Arbeiterkammern und den TÜV Österreich, den er von 1917 bis 1931 leitete und für den er durch das von ihm erarbeitete, von 1910 bis 1994 geltende Gesetzeswerk ("Lex Exner") die rechtliche Basis schuf. |