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Der Ratzenstadel am Magdalenagrund im 7. Bezirk
Auf dem Stephansplatz, in der Nähe des erzbischöflichen Kurhauses, ganz nahe bei dem Singertor der Stephanskirche, stand ehemals die uralte Magdalenakapelle. Sie brannte im Jahre 1781 ab und wurde nicht mehr aufgebaut, die Stelle, wo sie gestanden, wurde geebnet und zur Vergrößerung des Stephansplatzes benutzt.
Dieses Gotteshäuschen besaß hinter der Vorstadt Laimgrube, vom Wienflusse bis zu dem Berge, worauf sich die hochliegende Vorstadt Mariahilf erhebt, ein Grundstück. Dort waren schon in früherer Zeit Häuser gebaut worden und es entwickelte sich eine Vorstadt mit eigener Gerichtsbarkeit, die den Namen Magdalenagrund von der Magdalena-Kapelle erhielt.
Dieser Grund gehörte zu den kleineren Vorstädten Wiens, indem er nur 38 Häuser zählte, die zu den kleinsten, welche sich innerhalb des damaligen Linienwalles befanden, gerechnet wurden und sich hinsichtlich ihrer Beschaffenheit die Zeit ihrer Entstehung nicht verleugneten. |
Sie waren meist eng, finster und winkelig und nahmen sich ihrer unebnen Lage am Mariahilferberge, wo eines über dem anderen zu hängen schien, wie Maus- und Rattenlöcher aus.
Daher soll nach dem allgemeinen Glauben der dortigen Bewohner dieser Grund dem im Volke noch heutigen gebräuchlichen Namen Ratzenstadel (Rattenscheune) erhalten, ja der Volksmeinung sogar Kaiser Josef II. zuerst, in humorvoller Wiese, diese Bezeichnung gebraucht haben. In jüngster Zeit sind die alten kleinen Häuschen fast insgesamt abgetragen worden und haben großen modernen Bauten Platz gemacht. Bald wird auch die alte Bezeichnung aus dem Gedächtnis der Wiener verschwunden sein. (Der Autor irrte sich gewaltig - siehe Foto unten; Anm.)
Der Ursprung des Namens Ratzenstadel ist aber ein ganz anderer, und zwar einfach in dem Umstande zu suchen, dass diese Gegend in der Vorzeit oft von Ratten wimmelte, welche für Felder und Gärten eine große Plage waren. Es wurden viele Bittgänge unternommen, um dieses Unheil abzuwenden.
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Die Prozessionen, aus verschiedenen Gegenden Österreichs und auch von Wien, zogen nach Füssen am Lech in Schwaben, um in der dortigen alten Benediktinerklosterkirche des heiligen Magnus - in der Wolfssprache gewöhnlich Sankt Mang genannt - die Vertreibung des verderblichen Feldungeziefers zu erflehen.
Infolge dieser Plage gab es eigene Leute, welche sich mit der Vertilgung des sie verursachenden Ungeziefers abgaben, und solche nannte man Rattenfänger oder Rattenvertreiber. Sie zogen allenthalben umher und rühmten sich der geheimen Kunst, das Ungeziefer an sich locken und es vertilgen zu können. Zumeist wollten sie dies mit Musik bewerkstelligen, und es existieren in dieser Beziehung mehrere Sagen. |
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Die Bezeichnung Ratzenstadel gibt es nach 100 Jahren immer noch:
Weihnachtskrippe 'Ratzenstadel in Mariahilf'
(Krippenausstellung Peterskirche 2005) |
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Die Sage des Rattenfängers vom Magdalenagrund/von Korneuburg
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Die Stadt Korneuburg nächst Wien wurde im Dreißigjährigen Kriege von den Schweden erobert (1646), nach einer sechsmonatigen Belagerung jedoch von dem kaiserlichen Heere wieder besetzt.
Viele Gebäude dieser Stadt, welche damals eine größere Ausdehnung hatte, lagen im Schutte begraben, und unter den Trümmern dieser zerstörten Häuser mehrte sich das Ungeziefer, vorzüglich Ratten nahmen dergestalt überhand, dass kein Keller, kein Speisegewölbe vor ihrer Plünderung sicher war.
Durch Katzen, Rattenfalle, Gift konnte diese Überzahl nicht mehr ausgerottet werden, weshalb schon die Einwohner zur Auswanderung entschlossen waren.
Da setzte sich der weise Rat der Stadt zusammen und beschloss, einen hohen Preis für den auszusetzen, der die Stadt für immer von den unheimlichen Nagern befreie. Dies wurde denn auch öffentlich kundgemacht. |
Der Rattenfängerbrunnen am Marktplatz in Korneuburg |
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Einige Zeit verging, da erschien eines Tages ein fremder Mann beim Bürgermeister der Stadt und fragte, ob es mit der ausgesetzten Belohnung seine Richtigkeit habe.
Als man ihm versicherte, dass es sich wirklich so verhalte, erklärte der Fremde, er wollte mittels seiner Kunst alle Tiere aus ihren Löchern und Verstecken hervorlocken und in die Donau verbannen, worüber die Stadtväter sehr erfreut waren. |
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Rattenfänger, Korneuburg |
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Sogleich begab sich der Mann vor das Rathaus und zog aus einer dunklen ledernen Tasche, die ihm über die Schulter hing, ein schwarzes Pfeiffein hervor. Es waren keine angenehmen Töne, die er seinem Instrument entlockte; ein gellendes Quietschen und Quieken schrillte durch die Gassen, aber den Ratten schien diese Musik zu gefallen.
Haufenweise kamen sie aus ihren Schlupfwinkeln hervor und liefen den grellen Tönen nach. Langsam schritt der Pfeifer der Donau zu; vor ihm, ringsherum, hinter ihm aber schlängelte sich wie ein gräulicher schwarzgrauer Wurm der Zug der Ratten durch die Straßen.
Am Ufer angelangt, blieb der Mann nicht stehen, sondern ging, ohne zu zögern, bis zur Brust in die fluten, die Ratten aber folgten ihm unentwegt, stürzten sich ins Wasser, verknäulten sich ineinander und trieben schließlich in die Mitte des Donaustromes hinaus, wo sie von den Wellen fortgerissen wurden. Alle waren dem Musikanten gefolgt, nicht ein Schwänzchen blieb am Ufer. |
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Rattenfänger, Opernring Nr. 4 |
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Staunend hatte die versammelte Bevölkerung diesem Schauspiel zugesehen und umjubelte den seltsamen Fremden, der sich nach getaner Arbeit ins Rathaus begab, um seinen Lohn in Empfang zu nehmen. Nun aber, die Ratten waren weg, zeigte sich der Bürgermeister weit weniger freundlich, meinte, so schwer sei die Sache ja nicht gewesen und man wisse nicht, ob das Ungeziefer nicht am Ende wieder zurückkäme, kurz, er wollte den Mann mit einem Viertel des ausgesetzten Preises abfertigen. Der aber weigerte sich, den kleinen Betrag anzunehmen, und bestand auf der Auszahlung des vollen Lohnes. Da warf der Bürgermeister dem Fremden den Beutel mit dem geringen Lohn vor die Füße und wies ihm die Tür. Der Rattenfänger ließ das Geld liegen und verließ mit böser Miene die Ratsstube.
Einige Wochen vergingen. Eines Tages zeigte sich der Fremde, weit prächtiger gekleidet als das letzte Mal, wieder in der Stadt. Auf dem Hauptplatz zog er seine Pfeife aus der Tasche, die golden funkelte. Als er sie an die Lippen setzte, ertönte ein feines Klingen und Singen, alles horchte verwundert auf die wundersamen Töne. Die Kinder aber liefen ihm aus allen Häusern scharenweise zu und folgten ihm, als er mit wiegenden Schritten der Donau zu ging. Auf dem Strom schaukelte ein Schiff, das mit bunten Bändern und wehenden Fahnen geschmückt war. Ohne mit seiner Musik aufzuhören, bestieg der Pfeifer das Fahrzeug, und alle Kinder trippelten hinter ihm drein. Als das letzte auf dem Schiff war, stieß es vom Ufer ab, drehte sich in den Strom hinaus und fuhr im hellen Sonnenschein immer rascher stromabwärts, bis es in der Ferne verschwand. Nur zwei Kinder waren in der Stadt zurückgeblieben, eines war taub und hatte die lockenden Töne nicht gehört, das andere war am Ufer umgekehrt, um sein Röcklein zu holen.
Als die Stadtbewohner ihre Kinder suchten und außer den beiden keines fanden, waren Schmerz und Jammer in der Stadt groß; denn es gab fast kein Haus, das nicht den Verlust eines oder mehrerer Kinder zu beklagen hatte. Das war die Rache des betrogenen Rattenfängers.
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Sagenhaftes Die entsetzten Bürger Korneuburgs erhielten viele Jahre später die Kunde, dass in Konstantinopel im selben Jahre eine große Anzahl Kinder auf dem Sklavenmarkte feilgeboten worden sein soll. Sie zweifelten nicht, dass es die ihrigen gewesen und bereuten zu spät ihre Schändlichkeit.
Dass Korneuburg vom Rattenungeziefer zur oben gemeldeten Zeit durch einen Rattenfänger aus Wien mit den angegebenen Mitteln befreit wurde, ist historisch. Im Pfarrgässchen war noch vor nicht langer Zeit an einem Hause ein kleiner viereckiger Marmorstein zu sehen, woran sich eine aufsteigende Ratte mit einer verwitterten gotischen Umschrift und einer Jahreszahl, wovon durch die Ziffer IV zu erkennen war, befand. Auch wurde - zur Erinnerung daran - dem Viehhirten des Ortes befühlen, künftig zur Versammlung der Kinder und Schafe statt des Kuhhornes sich des Peitschenknalles zu bedienen. Bei der großen Überschwemmung 1801 kamen jedoch mit den Wasserfluten auch Ratten wieder zum Vorschein und der Viehhirt musste seitdem das Zeichen mit dem Horne geben, wie es vor den Zeiten üblich war.
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Was wirklich geschah Die Fabel von den entführten Kindern aber, welche sehr viel Ähnlichkeit mit der Sage vom Rattenfänger von Hameln hat, ist unstreitig aus einer wahren Begebenheit entstanden, und diese dürfte sein, dass in der damaligen traurigen Zeit des schrecklichen dreißigjährigen Krieges ein flotter Heerpfeifer die Jugend des Städtchens zum Kriegsdienste anwarb und mit sich fortführte, wovon aber leider keiner der Angeworbenen mehr zurückkehrte, da sie insgesamt den Tod auf dem Schlachtfelde fanden.
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